Große Zahlen, nichts dahinter

Datum: 15.10.2010  |  Zeit: 00:04  |  Kommentare: 4  |  Kategorie: Internettes

Auch schon gemerkt? Blog-Gewinnspiele á la “Kommentiere, folge uns bei Twitter, werde unser Freund bei Facebook, schreibe einen Blogartikel und erhöhe damit die Chance auf den Gewinn!” werden immer mehr. Aber im Grunde ist das pure Selbstverarschung der Veranstalter:

Natürlich schraubt man mit solchen Marketing-Maßnahmen seine Zahlen nach oben und kann sich selbst als Großmufti im Internet aufführen. Aber hat man als Seitenbetreiber etwas davon? Wird das Blog dadurch interessanter? Ich sage ganz klar: Nein.

Vor dem Gewinnspiel

In den meisten Fällen wird so ein Blog-Gewinnspiel durchgeführt, um die Leserzahl zu vergrößern. Wenn es was (hochwertiges) zu gewinnen gibt, ist das schneller bekannt, als dass sich ein Furz verflüchtigt und viele machen mit. Am einfachsten was von Apple raushauen, das zieht immer.

Einfach den Leuten suggerieren, dass sich ihre Gewinnchancen vergrößern, wenn sie auf allen Kanälen teilnehmen. Die meisten klicken eh schon bei jedem Mist auf “Gefällt mir” oder “Folgen”. Hauptsache für die ist, sie gewinnen den Hauptpreis. Klick. Klick.


Während des Gewinnspiels

Den meisten Leuten ist die Seite, die das Gewinnspiel veransteltet, relativ Wurscht: Die haben den Feed nicht abonniert, weil sie über neue Artikel informiert werden wollen. Die folgen auch nicht bei Twitter, weil sie toll finden, was da steht. Und Freunde bei Facebook? Ich bitte Euch!

Die Follower- und Freunde-Zahlen schnellen in die Höhe und im Blog sind Teilnehmer en masse. Aber willkommen in der Realität: Die warten nur darauf, dass dieses dumme Gewinnspiel endlich zuende geht und sie als Sieger präsentiert werden. Mehr nicht.


Nach dem Gewinnspiel

Die meisten Teilnehmer gehen natürlich leer aus. Darum wird bei Twitter wieder entfolgt und bei Facebook die Freundschaft beendet. In das Blog verirrt man sich auch nie wieder, weil die Seite mit den Katzenfotos sowieso viel besser ist.

Die einzigen, die noch Follower oder Freunde bleiben, sind die, die eh schon massenhaft Leuten folgen und hunderte “Freunde” bei Facebook haben. Die lesen aber auch nicht jeden Tweet ihrer Timeline oder die Status-Updates. Wer sieht sowas als Referenz? Selbstherrliche Knallfrösche.


Fazit

Mit Gewinnspielen kann man kurzzeitig für Aufsehen sorgen und die Zahlen künstlich in die Höhe schrauben. Damit ein Blog aber interessant bleibt, muss der Inhalt gut sein. Und genau da haben die meisten Seiten ein Problem.

Manchem Seitenbetreiber reichen die Zahlen, um sich toll zu fühlen. Dass das Interessanteste an ihrem Blog das Gewinnspiel war, macht sie nicht stutzig. Dabei sollte man sich genau überlegen, ob die Marketing-Maßnahme “Gewinnspiel” die beste oder doch nur die einfachste Lösung ist…

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4 Kommentare zu diesem Artikel

Name: Gilly  |  Datum: 15.10.2010  |  Zeit: 00:59

Du hast da was vergessen: Tonnenweise Backlinks mit Sahnehäubchen ;)

Name: Martin Schneyra  |  Datum: 15.10.2010  |  Zeit: 09:20

Du hast recht. Entfolgen ist nach dem Nicht-Gewinn das erste was ich mache. Die Blogs die ich gerne lese, haben es gar nicht nötig Gewinnspiele zu veranstalten, die sind von Haus aus gut.

Name: Jeanot Bruchmann  |  Datum: 16.10.2010  |  Zeit: 11:10

Da sind ein paar wahre Worte dabei, aber im Großen und Ganzen – na ja.
Gewinnspiele sind Marketing, nicht mehr nicht weniger. Der Kosten-/Nutzenfaktor ist, wenn man es richtig macht, enorm und weitaus besser, als bei einem Käseblatt für 59 € Brutto eine Anzeige zu schalten.
Wenn Du – wir stellen fest dass es sich um Marketing handelt – das für unsinnig ansiehst, hättest Du auch über Werbung an und in öffentlichen Nahverkehrs mit den Worten: “Was ein Quatsch! Da steigen die Leute ein, und kommen sie an ihrem Zielort an, steigen sie wieder aus. Was soll Werbung in und an öffentlichen Nahverkehrsmittel denn bringen?” sinnieren können.

Name: NetzBlogR  |  Datum: 16.10.2010  |  Zeit: 13:55

@Jeanot: Du hast natürlich Recht. Im kompletten Paket mit Empfehlungen, Mund-zu-Mund-Propaganda, ehrlichen Link-/Backlink-Aktionen – aber vor allem: gutem Content – ist gegen ein Gewinnspiel auch nichts einzuwänden.

Ich ging mit diesem Artikel eher auf die ein, die nur ein Gewinnspiel einsetzen, um kurzfristig große Zahlen zu generieren.

Wenn beispielsweise ein Maschinenbau-Unternehmen 20 iPods verlost, ist das eine tolle Aktion für die Gewinner. Aber Kunden generiert man damit nicht – weil mit dem Gewinnspiel die Zielgruppe verfehlt wurde.

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