Pass bloß auf, was Du sagst!

Datum: 27.08.2012  |  Zeit: 10:41  |  Kommentare: 0  |  Kategorie: Mediales

Ihr kennt doch sicher auch jemand, der jedes Mal kichert, wenn er Worte wie “kommen”, “blasen”, “runterholen”, “lutschen”, “nageln”“fummeln” oder so hört – egal wie alt er schon ist. Ja, wirklich, Ihr kennt einen! Mich zum Beispiel. :-)

Ich weiß auch, dass Leute von sowas genervt sind: Weil sie quasi mit jedem Satz genau aufpassen müssen, was sie sagen. Jedes Wort kommt auf die Goldwaage, weil der Gesprächspartner auf die kleinsten Stichworte anspringt – das ist verdammt anstrengend.

Menschen sind neugierig und wollen immer wissen, was irgendwo los ist. Die Stadtwerke München stellen deshalb offenbar an jeder Baustelle ein Schild auf, um diese Neugier zu stillen. Scheinbar wird dafür ein Standard-Layout verwendet, wo der Straßenname eingesetzt wird.

Warum ich Euch das erzähle? Schaut mal:

Schild: "Arbeiten am Gasnetz"
Quelle: Torsten Beeck bei Facebook

Wegen dieses Schilds haben sich in der letzten Woche im Internet wieder alle Dauernörgler ein Stelldichein gegeben: Sachen wie “Idioten!” oder “Hirnlose Trottel!” waren da noch die nettesten Beleidigungen.

Es gehört schon einiges an fehlendem Grips dazu, etwas anstößig zu finden, dann aber selbst mit einer unterirdischen Wortwahl dagegen zu gehen. Aber so ist er eben, der Deutsche: Der sucht das Haar in der Suppe. Und wenn da keins ist, wird eben eins reingetan…


Ich habe gar nichts dagegen, dass man hin und wieder an die schlechten Jahre der deutschen Geschichte erinnert und mahnt. Aber man muss auch irgendwann einmal aufhören, das an jeder Ecke zu tun, denn sonst nervt es irgendwann – wie oben beschrieben.

Firmen wie Volkswagen, Lufthansa, Daimler-Benz, Thyssen-Krupp oder Evonik (kleine Auswahl) haben in der Zeit der Wehrmacht ihr Geschäft mit Zwangsarbeitern und ihrem Tod gemacht. Da wird aber nie etwas gesagt oder gar ein Boykott (wie immer bei “Skandalen”) gefordert.


Stattdessen regt man sich über ein Schild auf, was an dutzenden Ecken und Enden im München rumsteht. Aber statt in sich zu kichern und sich “Hoppla, das ist ja peinlich” zu denken, wird dank des Internets gleich der ganz große Skandal aufgebauscht.

Dass in Syrien gerade wieder hunderte Menschen abgeschlachtet wurden, weiß von denen, die sich über das Schild aufgeregt haben, wahrscheinlich keiner. Stattdessen erinnern wir mal wieder an die Toten, für die wir jetzt – 70 Jahre danach – leider nichts mehr tun können.

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