Oh Mann ey! Immer dieses Wahlgelaber! Ich sollte velleicht selbst eine Partei gründen und den Frankfurter Wählern erzählen, dass ich ein Nachtflugverbot von 18 bis 10 Uhr für Frankfurt will. Natürlich lüge ich! Dass ich die Wahl trotzdem für mich entscheide, dürfte ja klar sein. :-)
Aber mal ohne Jux: Die Frankfurter SPD will das Nachtflugverbot auf 22 bis 6 Uhr ausweiten. Das wären 2 Stunden mehr als jetzt, also 8 Stunden. Das ist ein Drittel des Tages. Und der Flughafen war schon ohne Nachtflugverbot bereits an der Kapazitätsgrenze.
Mit der neuen Landebahn konnte man seit November den Durchsatz von Maschinen pro Stunde um etwa 50% steigern. Vereinfachtes Rechenbeispiel: Früher konnten pro Stunde 100 Flugzeuge starten oder landen, jetzt sind es 150.
Statt 2.400 Flugzeugen am Tag könnte man also 3.600 abfertigen. Im Idealfall. Wenn aber vom Tag nur zwei Drittel erlaubt wären, hätten wir wieder die ursprünglichen 2.400 Maschinen in den verbleibenden 16 Stunden. Also wieder die Kapazitätsgrenze. Gratulation, SPD!
Durch die aktuelle Regelung von 23 bis 5 Uhr sind zwei Stunden mehr erlaubt. Wir kämen also auf 2.700 Maschinen. Immerhin etwas Puffer nach oben. Wenn aber die Flugzahlen so weiter nach oben gehen, ist der nächste Kapazitätsengpass also nur eine Frage der Zeit.
Pakete und andere Waren werden hauptsächlich nachts transportiert, denn wir haben uns daran gewöhnt, dass die Amazon-Lieferung am nächsten Tag da ist. Bei einem starren Nachtflugverbot, wie es aktuell gilt, darf eine DHL-Maschine nicht mehr nach 23:00 landen oder starten.
Weil vor 05:00 aber auch kein Flugzeug mehr raus darf, könnte es passieren, dass Ihr trotz einer Prime-Mitgliedschaft die Amazon-Päckchen nicht mehr am nächsten Tag bekommt. Daran tragen dann die Forderer und Macher des Nachtflugverbots die Schuld. Niemand sonst.
Und es geht um Minuten: Wir hatten allein im Juli schon zwei Fälle von schweren Gewittern und der kurzzeitigen Einstellung des Flugverkehrs. Deshalb hat das Verkehrsministerium Ausnahme-Genehmigungen erteilt, um auch nach 23:00 noch starten zu dürfen.
Es wurden allerdings auch schon dutzende Maschinen wieder zurück zum Terminal geschickt, weil sie zu spät gestartet wären. Die Passagiere waren natürlich stinkesauer und einige mussten sogar von der Polizei in Gewahrsam genommen werden, weil sie randaliert haben.
Wer die Kosten für die Unterbringung in Hotels und die verlorene Urlaubszeit übernehmen darf? Keine Ahnung. Bin kein Anwalt. Im Grunde müsste das das Land Hessen tun, denn von dem ist das Nachtflugverbot erlassen worden, wegen dem Passagiere in Frankfurt stranden.
Ich weiß: Das Nachtflugverbot war Bedingung, damit die neue Landebahn gebaut werden durfte. Aber da haben wahrscheinlich wieder irgendwelche Trottel auf ihre Wählerzahlen geschielt, statt auch nur fünf Minuten nachzudenken. Sowas kann man doch nicht starr regeln!
Wenn sie 20 Sekunden vor Ladenschluss nicht mehr reingelassen werden, gehen meine Freunde von der Anti-Fluglärm-Front wahrscheinlich auf die Barrikaden und verklagen das Geschäft. Aber ein Flugzeug, was erst nach 22:59:59.999 in der Luft ist, müsste direkt gesprengt werden.
Fluglärmgegner stellen sich mit Lautsprechern vor den Häusern von Politikern oder Funktionären der Luftfahrt-Gesellschaften hier in Frankfurt auf und spielen ihnen Fluglärm vor. Was würden die wohl sagen, wenn gestrandete Passagiere mal einen Marsch durch ihre Dörfer machen?
Nachts halb eins. Mit Tröten und Gegröhl. Nur “um mal zu erleben, wie das ist”.






Name: Michael | Datum: 10.07.2012 | Zeit: 20:50
Die Diskussion erinnert mich an Pinterest und die Beschwerde, dass das Deutsche Urheberrecht diese Geschäftsmodell vereitelt. So ist das halt, so ist Politik. Wenn ich nur bis 23 Uhr abheben darf, kann ich realistischerweise keine Flüge für 22.55 Uhr einplanen – oder muss meinen Gästen erklären, dass es ein hohes Risiko gibt, die Nacht in Frankfurt verbringen zu müssen.