Hansjochen geht zum Arzt

Hansjochen hatte komische Schmerzen im Bein. Also suchte er im Netz einen Arzt, der ihn von den Leiden befreien würde. Schnell wurde er fündig: Der Arzt wurde sehr oft empfohlen und hatte tolle Fotos seiner modernen Praxis auf der Website. Das imponierte Hansjochen schon sehr.

Das Wartezimmer sah nicht so aus wie die muffigen Wartezimmer der Ärzte, bei denen er bisher gewesen war. Auch die Behandlungszimmer fand er einfach nur toll. Und auch das Angebot: Von althergebrachter über homöopathische bis zur fernöstlichen Medizin war alles im Programm.

Hansjochen war sich sicher, er müsste einen Termin vereinbaren, denn was er im Internet sah, war einfach nur überwältigend. Er hatte Glück: Schon am nächsten Tag war ein Termin frei. Einmal noch unter Schmerzen schlafen und dann wäre es endlich vorbei.

Am nächsten Morgen tat es Hansjochen besonders weh. Also beeilte er sich, um rechtzeitig in der Praxis zu sein. Als er ankam, war es aber total anders als es auf den Fotos im Internet aussah: Die heruntergekommenen Räume lagen mitten in einem Problembezirk.

Und das Sprechzimmer war nur ein Jugendzimmer von drei mal fünf Meter. Hansjochen fragte, was mit der Praxis von der Website passiert sei. Der Arzt sagte, dass er das alles in vier bis fünf Jahren so machen will. Wenn er sein Studium beendet hat.

Hansjochen war wie vor den Kopf gestoßen. Der falsche Arzt sagte, er wolle ganz transparent sein und gab zu, dass er auch noch nicht so genau wüsste, wie das alles mal funktionieren solle. Durch das Internet hatte er sich aber einen guten Ruf verdient, auf den er dann aufbauen möchte.

Unter Schmerzen stand Hansjochen auf und ließ sich nicht davon abbringen, diese Dreckhöhle zu verlassen. Er humpelte die Treppe hinab und verließ das Haus. Als er sich umdrehte, sah er sich noch einmal genau das Schild an: Dr. Pira Thenparthai.

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