Islamophobie anschaulich erklärt

Die drei Arbeitskollegen und Kumpels – Joachim, Karl-Heinz und Ali – haben ihre Gärten direkt nebeneinander. Joachims Garten links, Kalle in der Mitte und Ali rechts. Im Herbst 2013 passierte es, dass die Äste von Joachims Kirschbaum über den Zaun in Kalles Garten ragten.

Also sprach Karl-Heinz ihn auf der Arbeit an und bat darum, etwas dagegen zu tun. Die von den Ästen fallenden Kirschen machten seinen schönen Rasen kaputt. Kein Problem für Joachim: Drei Tage später waren die Äste beschnitten, alle waren glücklich und die Sache geklärt.

 

Im Herbst 2014 passierte es, dass Äste von Alis Pflaumenbaum über den Zaun in Kalles Garten ragten. Also sprach Karl-Heinz ihn auf der Arbeit an und bat darum, etwas dagegen zu tun. Die von den Ästen fallenden Pflaumen machten seinen schönen Rasen kaputt.

Kein Problem für Ali: Nur drei Tage später waren auch seine Äste beschnitten und alle glücklich. Am nächsten Tag wurde Ali jedoch von allen anderen Kollegen schief angeschaut. Keiner redete mehr mit ihm und alle tuschelten hinter seinem Rücken.

 

Er konnte sich das gar nicht erklären und fragte Karl-Heinz und Joachim, ob die vielleicht wissen, warum alle Kollegen so böse auf ihn wären. Karl-Heinz wusste es: Er zeigte ihm die aktuelle BILD-Ausgabe: Auf dem Titel waren Fotos von Ali, Joachim und Karl-Heinz. Schlagzeile:

Mitten unter uns: Moslem terrorisiert seine Gartennachbarn!

 

Und die Moral von der Geschicht‘

Ich habe langsam das Gefühl, die Medien (ganz vorne das Drecksblatt aus Berlin) lässt keine noch so kleine Chance aus, Muslime in ein schlechtes Licht zu rücken. Aktuelles Beispiel: Weil eine Moschee auf einer Seifenpackung zu sehen ist, regen sich Leute auf.

Der Händler nimmt die Seife reflexartig aus dem Handel und der Skandal ist perfekt: Schon steht der Islam als intolerante Idiotenreligion da, die sich bei jeder Gelegenheit „im Glauben gekränkt“ fühlt – wegen ein paar Trotteln, die auf Facebook nach 5 Minuten Aufmerksamkeit betteln.

 

Spielen wir das Szenario mal mit Christen durch: Ein paar Trottel suchen auf Facebook nach 5 Minuten Aufmerksamkeit, weil auf einer Packung Damenbinden der Kölner Dom ist. Der Händler nimmt das Produkt reflexartig aus dem Handel und … es interessiert keinen.

Aber wehe, der Nachbar macht die Kehrwoche nicht. Dann bricht Krieg im Dorf aus. Liest man über so etwas in der Zeitung? Nein, denn an solche Wutbürger haben wir uns schon gewöhnt. Und solange sie keine Moslems sind, ist das (scheinbar) auch alles nichts für die Öffentlichkeit.

Ein Kommentar zu diesem Artikel

Name: Sebastian  |  Datum: 26. Januar 2015  |  Zeit: 15:35

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