Legale Sterbehilfe ändert keine Zahlen

Es ist mal wieder soweit: Man debattiert über die Sterbehilfe. Und wieder lese bzw. höre ich dieses eine vermeintliche Totschlag-Argument: Durch die Legalität könnten mehr Menschen dazu verleitet werden, sich zu töten. Das halte ich allerdings für zu kurz gedachten Quatsch.

Wir reden hier nicht von Teenager-Mädchen, die sich umbringen wollen, weil sie ihr 10 Jahre ältere Stecher sitzengelassen hat – es geht um todkranke Menschen, die so oder so nicht mehr viel Zeit haben und die das Leiden vorzeitig beenden möchten.

Der kirchliche Gedanke

Viele Christen sagen natürlich, dass ein Mensch nicht das Recht hat, ein Leben zu beenden – auch nicht das eigene. Nur Gott allein bestimmt, wann es Zeit zum Gehen ist. In Deutschland herrscht angeblich Glaubensfreiheit, warum kommen solche Aussagen in der Diskussion überhaupt auf?

Es muss eine rechtliche Lösung gefunden werden und die sollte nicht darin liegen, auf die Vertreter einer Religion zu hören, nur weil die hier stark vertreten ist. Genauso wie man nicht einfach Fleisch verbieten kann, nur weil die stetig wachsende Gruppe der Veganer das gerne so hätte.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Die Lösung ist eigentlich simpel: Wenn durch 2 unabhängige Fachärzte festgestellt wird, dass die Heilung seiner Krankheit nicht möglich ist und tödlich endet, sollte der Patient das Recht erhalten, sein Leben zu beenden. Seine Krankenkasse trägt die Kosten der „finalen Behandlung“.

Nun könnte man natürlich fragen, warum ausgerechnet die Kasse (also die Allgemeinheit) dafür aufkommen soll. Kurz überlegen: Wer bezahlt die Pflege und Behandlung, die ein Patient in seiner Zeit bis zum natürlichen Tod bekommt? Bingo! Es gibt keine belastenden Mehrkosten.

Meine Sicht der Dinge

Im Bezug auf Brittany Maynard, die unheilbaren Krebs hatte und sich deshalb vor gut zwei Wochen per Sterbehilfe das Leben nahm, habe ich letztens bei Twitter geschrieben:

Ganz ehrlich: Wenn man bei mir sowas finden sollte, ziehe ich auch nach Oregon.

Jeder in meiner Familie weiß schon lange, dass ich Organe spenden will. Und alle wissen, dass ich nicht künstlich am Leben gehalten werden möchte, falls so ein Fall mal eintritt. Ich will niemandem zur Last fallen, denn jeder hat genug eigene Probleme. Ich halte das nur für fair.

Mein Rat

Das habe ich so für mich entschieden und ich wäre froh, wenn man diese – meine – Entscheidung respektiert, vor allem aber auch akzeptiert. Jeder sollte sich diese Gedanken einmal selbst machen und das Ergebnis seinen Lieben kommunizieren.

Wenn der Fall erstmal eingetreten ist, ist es dafür nämlich meistens zu spät und da wäre es doch gut, wenn jeder Angehörige weiß, was er sagen soll, wenn der Arzt die Frage stellt.

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