Mail an unsere Hausverwaltung

Als wir vor gut drei Jahren, im Mai 2013, in unsere Wohnung gezogen sind, wurde uns von der Hausverwaltung angekündigt, dass „irgendwann das Treppenhaus gemacht“ wird. Wir wussten also, dass der Tag irgendwann kommen wird.

Nur haben wir nicht damit gerechnet, dass wir es mit der vermutlich unfähigsten Hausverwaltung des Universums zu tun haben und nach einem erneuten Vorfall der Unfähigkeit zur Kommunikation habe ich mir gestern (bzw. heute) die Zeit genommen und eine ausführliche Mail geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sie ja sicherlich wissen, hat ein Vermieter „dem Mieter eine Modernisierungsmaßnahme spätestens drei Monate vor ihrem Beginn in Textform anzukündigen“ (§ 555c BGB).

 

Am Samstag, 1. März 2014, hatten wir einen Brief von Ihnen im Briefkasten, dass das Treppenhaus ab dem darauffolgenden Montag, 3. März 2014, renoviert wird. Meine Freundin hatte anderthalb Tage (!) Zeit, um die Nachtdienste zu tauschen, zu denen sie eingeteilt war.

Das hat natürlich nicht mehr geklappt und so musste sie notgedrungen versuchen, mit der Untermalung von Baugeräuschen (Schlagbohren, Meißeln, …) zu schlafen, um nachts arbeiten zu können.

2 Tage. Das haben wir einfach so hingenommen.

 

Am 11. Dezember 2014 stellte ich beim Verlassen des Hauses fest, dass ein Baugerüst aufgebaut wird. Ich fragte per Mail bei Ihnen nach und erfuhr, dass Sie ebenfalls sehr kurzfristig davon erfahren haben.

Der Brief an alle Mieter, den Sie am Tag vorher per Post verschickt haben, lag dann nachmittags wirklich im Briefkasten. Allerdings ohne Frankierung: Er wurde von Ihnen bzw. einem Mitarbeiter eingeworfen.

Wer weiß, ob wir ohne meine Rückfrage überhaupt von den Dacharbeiten, die dann im Januar 2015 durchgeführt wurden, erfahren hätten.

0 Tage sowie 1 Monat. Auch das haben wir einfach so hingenommen.

 

Am 1. Oktober 2015 erhielten wir die Information, dass die Heizungs-Anlage im November 2015 umgebaut wird und deshalb drei Tage lang keine Versorgung mit Heizung und Warmwasser möglich ist.

Wir reden hier vom November 2015. 9 Grad Außentemperatur tagsüber. Mit einem Baby von 6 Monaten. Zum Glück konnten wir Urlaub nehmen und sind solange mit der Kleinen verreist.

1 Monat. Auch das haben wir einfach so hingenommen.

 

Am 15. August 2016 teilten Sie uns per Brief mit, dass ab dem 21. September 2016 die Fenster ausgetauscht werden und ein Baugerüst aufgestellt wird.

Wir merken uns: Fensteraustausch. Baugerüst.

1 Monat. Auch das haben wir einfach so hingenommen.

 

Am Freitag, 23. September 2016, wurde nachmittags eine Info am Hauseingang aufgehängt, dass am Samstag, 24. September, alle Balkons freigeräumt sein sollen, weil Fassadenarbeiten stattfinden.

Wir hatten uns gemerkt: Fensteraustausch. Baugerüst.
Wir hatten uns nicht gemerkt: Fassadenarbeiten.

Die Handwerker waren am Samstagmorgen sehr kooperativ: Wir konnten in Ruhe unsere IKEA-Klappcouch auseinanderschrauben, ihre Einzelteile und die Pflanzkästen zwischenlagern, während die Handwerker erst einmal die gegenüberliegende Hausseite mit Hochdruckreinigern abgespritzt haben. Danach durften wir wieder alles auf den Balkon stellen.

12 Stunden. Auch das haben wir einfach so hingenommen.

 

Am Montag, 17. Oktober 2016, kam meine Freundin nachmittags nach Hause, wollte gerade mit unserer Tochter auf den Balkon gehen und bekommt einen Schreck: Die Geländer an allen Balkons waren fort.

Wir hatten uns gemerkt: Fensteraustausch. Baugerüst.
Wir hatten uns nicht gemerkt: Fassadenarbeiten. Fehlende Balkongeländer.

Als ich nach Hause kam, fand ich einen Brief von Ihnen im Briefkasten, in dem Sie darauf hinweisen, dass die Balkons ab 17. Oktober nicht mehr betreten werden dürfen und dass die Balkonsanierung bis Dezember 2016 andauern wird.

Wir hatten uns gemerkt: Fensteraustausch. Baugerüst.
Wir hatten uns nicht gemerkt: Fassadenarbeiten. Balkonsanierung.

Der Brief ist auf den 15. Oktober 2016 datiert. Hätten Sie ihn per Post verschickt, wäre er erst an besagtem 17. Oktober 2016 angekommen. Sie haben ihn allerdings – wie die Briefe zuvor – selbst eingeworfen bzw. einwerfen lassen. Am 17. Oktober 2016. Also am Tag der Arbeiten.

0 Tage. Auch das haben wir einfach so hingenommen.

 

Die Einzelteile unserer IKEA-Klappcouch und die Pflanzkästen stehen übrigens noch auf dem Balkon. Warum ich das erwähne?

Am 26. Oktober 2016, also gestern, wurden alle Fenster – egal ob die Rolläden oben oder unten waren – von Handwerkern mit selbstklebender Schutzfolie verziert. Die in der Küche habe ich zum Teil abgelöst, um beim Kochen wenigstens etwas Frischluftzufuhr zu haben.

Die Folie am Fenster des Kinderzimmers habe ich komplett abgelöst, um den Rolladen runter lassen zu können: Unsere inzwischen anderthalb-jährige Tochter kann nicht schlafen, wenn die Straßenlaterne von gegenüber taghell in ihr Zimmer strahlt. Das verstehen Sie sicher.

 

Meine Freundin hatte zufällig frei und wurde am Mittag von den Handwerkern mit unfreundlichem Ton darauf hingewiesen, dass die Einzelteile unserer IKEA-Klappcouch und die Pflanzkästen noch auf dem Balkon stehen. Das kam überraschend, nicht wahr?

Da es verboten ist, den Balkon zu betreten und unsere telekinetischen Fähigkeiten derzeit nicht so gut funktionieren, teilte sie ihnen mit, dass wir einen Teufel tun werden: Die Handwerker sollen sich bitte mit Ihnen in Verbindung setzen und die Sache klären. Die Handwerker müssen nun Ihre Versäumnisse ausbaden.

0 Tage. Ich habe so langsam die Nase gestrichen voll!

 

Es ist jetzt kurz nach 03:00 morgens und ich drehe einfach mal den Spieß um:
Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis 07:00 Uhr.

Bitte teilen Sie mir bis dahin DETAILLIERT mit, welche Arbeiten im/am Haus in nächster Zeit geplant sind, da ich mich ansonsten gezwungen sehe, wegen inzwischen mehrfacher Verstöße gegen die Ankündigungs-Pflicht die Miete zu kürzen.

Über einen angemessenen Rahmen werde ich mich notfalls von einem Rechtsanwalt für Mietrecht beraten lassen.

 

Mit besten Grüßen
Falk Wussow

Der Text ging heute Morgen um 03:03 genau so raus. Und auch wenn sich das alles vielleicht total witzig liest – ich hatte beim Schreiben echt über 200 Puls! Ich wollte zwar ursprünglich noch fragen, ob die uns verarschen wollen, aber das habe ich mich nicht getraut.

Nachher schmeißen die uns fristlos wegen Beleidigung aus der Wohnung und wären damit sogar im Recht. Ich habe deshalb lieber den Seitenhieb mit der Fristsetzung eingebaut.

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