Mail an unsere Hausverwaltung (Teil 3)

Und weiter geht der rege Mail-Verkehr: Die Antwort der Hausverwaltung habe ich heute erwidert. Dieses Mal habe ich allerdings herzhaftere Töne angeschlagen. Wenn man mir und den anderen Mietern unterstellt, wir würden lügen – dann fährt der Breakdancer rückwärts!

Guten Morgen Frau █████████,

ich gebe Ihnen in einem Punkt Recht: Es gibt unvorhergesehene Dinge. Ich weiß zum Beispiel, dass Gerüste oft nach freien Kapazitäten aufgebaut werden und teilweise monatelang einfach nur herumstehen.

Nun ist es aber bei Handwerkern so, dass die nicht einfach spontan morgens nach Wiesbaden fahren, Balkongeländer wegreißen, Fassaden streichen oder das Treppenhaus modernisieren.

Jemand hat den Handwerkern den Auftrag dazu erteilt. Bevor es zu einem Auftrag kommt, werden normalerweise Kostenvoranschläge erstellt. Damit die erstellt werden können, schauen sich Handwerker normalerweise vor Ort an, welche Arbeiten da überhaupt auf sie zukommen.

DAS wäre ein guter Moment, um die Mieter zu informieren, dass Arbeiten geplant sind. So können die sich rechtzeitig darauf einstellen. Vor allem Personen, die im Schichtdienst arbeiten.

 

Ich habe Ihnen nun aber in meiner Mail ausführlich beschrieben, dass Sie diese Chance mehrfach grandios vergeigt haben – zuletzt vor zwei Wochen.

Wir haben uns mit anderen Mietern unterhalten: Einige davon wohnen schon länger im Haus und die sagten unabhängig voneinander aber doch übereinstimmend, dass das „schon immer so“ sei. Das wirft jetzt kein besonders gutes Licht auf Ihre Hausverwaltung.

Was die Lampe aber komplett ausknipst: Die Arbeiten am Balkon und der Fassade waren NIEMANDEM bekannt! In Ihrem Brief vom August stand nur, dass die Fenster ausgetauscht und ein Gerüst aufgestellt werden.

Sagen wir es mal so: Entweder haben gerade alle Mieter gleichzeitig eine spontane Amnesie, oder – was für Sie vermutlich weit hergeholt klingt – Sie haben es (mal wieder) verpennt.

Sie können zwar versuchen, sich mit windigen Erklärungen zu entschuldigen, irgendwann ist es aber echt genug und jetzt ist der Moment gekommen, an dem Ihnen mal jemand ohne Umschweife sagt, was für ein unorganisiertes Unternehmen Sie da eigentlich führen:

 

1. Sie versemmeln regelmäßig gesetzliche Fristen, Mieter über Arbeiten zu informieren: Im Flur hängt seit gestern ein Plan (vermutlich von den Fensterbauern), dass die Kellerfenster ausgetauscht werden sollen.

Wann hatten Sie denn vor, uns das mitzuteilen? Am Tag der Arbeiten?

 

2. Sie verstoßen gegen die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht: Da man die Balkons nicht betreten darf, müssten eigentlich die Griffe an den Balkontüren abmontiert werden. Das ist bisher unterblieben. Sollte unsere Tochter die Tür öffnen und abstürzen, stehen Sie in der Bütt.

Wann kann ich also mit der Entfernung der Griffe rechnen?

 

3. Sie fordern von mir, dass ich den Balkon betrete, obwohl SIE uns das am 17. Oktober selbst SCHRIFTLICH verboten haben. Und nun behaupten Sie auch noch, dass WIR für Verzögerungen verantwortlich wären.

Kann es sein, dass die Sache mit der Hausverwaltung nicht gerade Ihre Paradedisziplin ist? Ich finde es extrem merkwürdig, dass man Ihnen als Außenstehender erklären muss, wie Sie Ihren Job zu tun haben.

 

Vorschlag zur Güte: Wir werden am Wochenende die Gegenstände vom Balkon holen, um die Arbeiten – von denen wir erst nach ihrem Beginn erfahren haben – nicht weiter zu verzögern.

Natürlich mit aller Vorsicht. Ich weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass wir das auf Ihr Geheiß und auf Ihre Gefahr hin tun – eigentlich dürfen wir das ja gar nicht.

Die Gegenstände werden uns aufgrund ihrer Größe natürlich ziemlich im Weg stehen, weshalb ich weiterhin darauf hinweise, dass die Zahlung der Miete derzeit nur unter Protest stattfindet und wir uns eine Kürzung vorbehalten. Die nicht angekündigten Arbeiten werden dabei natürlich ebenfalls berücksichtigt.

Im Gegenzug verlange ich, dass Sie endlich mal die Abläufe in Ihrem Unternehmen auf den Prüfstand stellen. Sie wollen ja sicher noch weniger als ich, dass Ihnen das der Hausbesitzer, ein Anwalt oder sogar ein Richter aufträgt.

 

Mit den allerbesten Grüßen,
Falk Wussow

Ursprünglich wollte ich zwar noch fragen, ob ich einen Arzt rufen soll: Ich fürchtete nämlich, dass die Dame beim Schreiben ihrer Antwort einen Schlaganfall erlitten hat. Ich wollte dann aber nicht aus Unwissen irgendwas triggern und habe es sein lassen.

Ein Kommentar zu diesem Artikel

Name: Alexander Thiel  |  Datum: 4. November 2016  |  Zeit: 19:04

Hallo Falk,

ei das ja mal nen Ding. Die Antwort der Hausverwaltung ist ja der blanke Hohn. Im ersten Moment dachte ich, das es gar keine Reaktion auf dein schreiben wäre …. aber dann noch so platt.

Allerdings finde ich es ungeschickt das du Fristen setzt und nicht mal versuchst die Drohung umzusetzen. Also ich hätte die Miete sicherlich schon gekürzt oder mir eben vor der Drohung notwendige Infos rausgesucht.

Das soll keine Kritik sein, nur verpuffen deine Fachlichen an sich recht schlüssigen Aussagen dadurch das du hole Drohungen aussprichst.

Naja, als Mieter hat man es nicht einfach und wenn ich es so lese bin ich wieder mal froh das ich seinerzeit die Zeichen der Zeit erkannt habe und mir Eigentum anschaffen durfte.

Mfg der Alex

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