Paul

Es war der 12. November. Paul saß in seinem Auto. Die Heizung stand auf mittlerer Stellung, denn draußen war es nicht so kalt. Außerdem war er in seiner dicken Jacke und mit der Skimaske warm angezogen. Doch Frieren war gar nicht seine Sorge.

Das Auto hatte er geklaut und die Kennzeichen abgeschraubt. Nun stand er also im Villenviertel und wartete auf den richtigen Moment. In der Küche ging das Licht an. Das war das Zeichen. Paul legte den ersten Gang ein und fuhr los.

Er durchbrach das hölzerne Hoftor. Zweiter Gang. Vollgas die Auffahrt hoch. Dritter Gang. Mit Schwung war die zweistufige Treppe zum Eingang kein Problem und schon stand er mit großem Geschepper im Eingangsbereich der Villa.

Der Kühler dampfte und es stank nach Benzin. Dr. Thilo Weichert, der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, stürzte im Morgenmantel aus der Küche und sah, wie sich Paul gerade aus dem Wrack des Autos pellte.

Weichert fragte ihn, wer er sei und was das hier solle. Doch Paul winkte verächtlich ab und ging seelenruhig die Eingangstreppe hinab. Weichert rief ihm „Wer sind sie?“ hinterher und rannte los. Als er Paul erreicht hatte, griff er nach dessen Schulter und fragte erneut, wer er sei.

Paul wischte Weicherts Hand von seiner Schulter und lachte kurz. Dann hielt er kurz an, schaute Weichert in die Augen, sagte „Sie sind ja vielleicht komisch: Immer wollen Sie, dass man anonym sein darf und jetzt wollen Sie ausgerechnet von mir wissen, wie ich heiße.“

Ein Kommentar zu diesem Artikel

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Name: Sebastian  |  Datum: 4. Januar 2013  |  Zeit: 11:11

hehe – schönes Beispiel

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