Über zehn Ecken nach nebenan

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen ich mich echt ärgere, für einen großen Kunden zu arbeiten, bei dem alles in geordneten Bahnen laufen muss und dadurch Wege und Zeiten extrem verlängert werden. Was war passiert?

Von der schweizer Zentrale haben wir den Auftrag bekommen, eine Promo-Produktverpackung zu gestalten. Ein sogenanntes Sleeve – also eine Kunststoffhülle, die erst bedruckt und dann über die normal Verpackung gestülpt wird.

Die Verpackungen dieses Kunden haben immer einen schwarzen Hintergrund. Das Schwarz wird mit den CMYK-Werten 60/40/35/100 angelegt, damit es kräftig und ohne Farbstich ist. Kunststoff saugt – anders als Papier – die Druckfarbe kaum an und da gibt es einen Trick: Weniger Farbe.

Damit das Schwarz nicht verläuft, wurde uns gesagt, die Hintergrundfläche ohne Cyan, Magenta und Gelb anzulegen. Prinzipiell okay und auch machbar. Es gibt jedoch eine Sache, die mir eh schon ständig den Schlaf raubt: Verläufe. Und hier will der Kunde unbedingt einen haben.

„Hat der Designer nicht viel drauf, macht er einen Farbverlauf“ sagt ein Sprichwort. Ich komme aber leider nicht drum herum. In dem Vergleichs-Grafik könnt Ihr sehen, was sich mir gerade als großes Problem darstellt:

Verlaufs-Vergleich

Beides sieht nicht wirklich schön aus. Aber Kundenwunsch ist nunmal Gottesgesetz. Links ist der Verlauf, wenn man ihn auf reines Schwarz anlegt. Rechts zum Vergleich, wie es aussähe, wenn die Hintergrundfläche 60/40/35/100 angelegt wäre. Der Verlauf wäre etwas homogener.

Also stellte ich an meinen Kontakter die Bitte, sich an seinen Ansprechpartner zu wenden, damit der mit der Druckerei abklärt, ob es möglich ist, hier eine Ausnahme zu machen. Ich schrieb ihm die Frage auf deutsch vor. Er übersetzte es auf englisch und mailte in die Schweiz.

Eben bekam ich – nach 3 Tagen – die Antwort. Zunächst: Wir bleiben beim reinen Schwarz. Soll mir egal sein. Sieht’s eben Murks aus. Ich habe davor gewarnt. Aber das ist es nicht, was mich an der Geschichte stört. Es sind die drei Tage, die es gedauert hat. Und warum so lange?

Mein Kontakter schrieb auf englisch in die Schweiz. Der fragte auf englisch bei einer Kollegin in der Schweiz nach. Die fragte auf englisch bei einer Kollegin in Deutschland. Die antwortete auf englisch der Kollegin in der Schweiz, die auf englisch dem Kollegen und der meinem Kontakter.

Auch auf englisch. Aus dem Mailverlauf (wo jedes „Re:“ drin war) fand ich heraus: Die Kollegin in Deutschland sitzt nur ein paar Kilometer in der Deutschland-Zentrale. Hätte ich das gewusst, hätte es einen kurzen Anruf gebraucht und ich hätte meine Info nach 2 Minuten gehabt.

So habe ich drei Tage lang auf eine Aussage gewartet. In der Zeit kam ich mit dem Projekt nicht weiter und nun ist Stress angesagt, weil’s knapp wird.

Ein Kommentar zu diesem Artikel

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Name: Sebastian  |  Datum: 26. April 2012  |  Zeit: 11:52

Oh man. Kenne ich nur zu gut.
Ein alter Kunde von mir (wo ich die Webseite – kleiner Laden) erstellen sollte kam mit seinen Wünschen.
„Die Farbe sollte auf jedenfal GOLD sein“
Ich sagte ihm natürlich das es das nicht gibt, aber wir ne Lösung finden.
Er sprach natürlich nicht von der Schmuckfarbe vom Druck, sondern – was er mir dann zeigte von dem GOLD, was WORD als Farbe ihm sagte. Ne Art Gelbton.

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