Unternehmen und ihr Umgang mit Social Networks

Ich hatte mich ja letztens schon darüber ausgelassen, wie Fun-Seiten mit einfachsten Mitteln an viele Likes auf Facebook kommen und so ihre Reichweite immer weiter erhöhen, ohne wirklich etwas Kreatives zu leisten.

Nun werden solche Seiten meistens von Privatleuten aufgebaut, die ihr Ego aufpolieren, indem sie sich für Dinge loben lassen, die sie nicht mal selbst erstellt haben. Es gibt auf Facebook allerdings auch viele Seiten von Unternehmen und Institutionen.

Die einen posten einmal im Jahr etwas, denn man hat die Seite eigentlich nur erstellt, weil heute eben jeder eine hat. Andere hingegen posten täglich etwas, um den eigenen „Fans“ – was ich (wie auch „Freunde“) für einen völlig unpassenden Begriff halte – etwas zu bieten.

Ich habe manchmal das Gefühl, einige Unternehmen haben Leute dazu verdonnert, der eigenen Facebook-Seite Leben einzuhauchen. Einen richtigen Plan, wie Soschel Media funktioniert, haben da die wenigsten Leute, denn eigentlich sind sie „nur“ Sachbearbeiter oder sowas.

Die haben vielleicht richtig was drauf, wenn es darum geht, Beschwerden rasch und unkompliziert zu lösen, aber von sich aus in Dialog mit dem Kunden zu treten, ist eine Kunst für sich. Also holen diese Angestellten oft instinktiv das oben beschriebene Ego-Balsam raus. Drei Beispiele:

Wenn du JETZT gerne über SANTORIN blicken würdest, dann zeig’s mit einem LIKE!
(Germanwings)

Die KLM Boeing 747 *gefällt mir*!
(KLM Deutschland)

„Gefällt mir“ = Herzlich Willkommen, Julian!
(Borussia Dortmund)

Diese Like-Bettelei geht mir so dermaßen auf die Klötze, dabei wäre es mit ganz einfachen Mitteln möglich, die Likes auch ohne zu bekommen: KLM hätte einfach nur zwei kurze Absätze über das Flugzeug in der eigenen Flotte und Germanwings über das Reiseziel schreiben können.

Die Likes wären dann von sich aus gekommen. Und wisst Ihr, woher ich das weiß? Ich beobachte Facebook nämlich. Und dann merkt man recht schnell, dass viele Leute offenbar hirngeschädigt sind – weil sie bei allem und jedem auf Gefällt mir klicken.

Wenn z.B. die Heizung im Winter nicht warm wird, könnte man – bei völliger Schmerzbefreitheit – auf Facebook um Problemlösung ersuchen:

Meine Heizung wird nicht warm. Jemand eine Idee, woran das liegen könnte?

Was folgt? Dreizehn Leute haben auf Gefällt mir geklickt, zwei haben kommentiert, dass sie keine Ahnung haben und leider nicht helfen können. Zwei andere diskutieren derweil per Kommentar über die politische Lage in Vorderturkmenistan.

Im Grunde muss man also gar nicht um Likes betteln, denn die bekommt man vom klickwütigen Volk von ganz alleine. Das wisst Ihr, das weiß ich. Nur die Leute, die da als Community Manager arbeiten, haben das wohl noch nicht begriffen.

Deshalb werde ich mich wohl immer wieder über Aufforderungen ärgern, auf „Like“ zu klicken.

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