Weil’s Geld kostet…

Was für eine selten dämliche Aktion ist das denn schon wieder? Für dieses Ergebnis braucht man doch keine Studie!

Wie stark schrecken Studiengebühren Abiturienten vom Studium ab? Eine aktuelle, aber bisher nicht veröffentlichte Studie im Auftrag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigt jetzt, dass vom Abiturientenjahrgang 2006 bis zu 18 000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen haben. (Quelle)

Seit man in Puffs bezahlen muß, gehen dort auch weniger Leute hin.

Mir geht das Geheule dieser Prinzip-Nörgler tierisch auf die Klötze! Das Totschlagargument ist ja, nur Reiche würden sich ein Studium leisten können. Wahrscheinlich stehen deshalb immer so viele Ferraris, Lamborghinis und Jaguars vor deutschen Unis.

Ich muß eine Wohnung, Materialien etc. bezahlen. Und dazu jetzt noch die Gebühr. Das kann ich mir nicht leisten.

Kein Mensch argumentiert mit Kosten, die sowieso auf ihn zukommen. Studenten tun es trotzdem. Die würden aber auch nie morgens um 7:00 Uhr aufstehen – es sei denn, um 8:00 Uhr ist eine Demo gegen die Studiengebühren.

Randnotiz: 500,- EUR pro Semester entsprechen etwa 83,33 EUR pro Monat.

Wer 3 1/2 Stunden wöchentlich in der Küche einer Fast-Food-Kette (6,50 EUR/h) steht, hat bereits die Studiengebühr verdient. Wahlweise könnte man natürlich auch in einer Bar Drinks servieren oder Karten im Kino abreißen.

Studenten, die nicht so gern arbeiten (Pleonasmus!), könnten den 24,95-EUR-Handyvertrag kündigen und auf Prepaid umsteigen. Mit dem Rauchen aufhören und ein Wochenende pro Monat auf die Tour mit Kumpels verzichten, rettet dann das Pensum.

Übrigens: Ab ca. 40.000,- EUR bekommt man eine Ausbildung zum Flugkapitän bei einer deutschen Airline. Das sind ca. 10.000,- EUR pro Semester. Wenn die Studiengebühren in dieser Höhe lägen, würde ich Euren Ärger sogar verstehen.

Liebe Studenten, hört auf mit Eurer Heulerei, Ihr könntet Euch das Leben nicht mehr leisten. Geht einfach arbeiten, wie ca. 30 Millionen Deutsche – dann habt Ihr das Problem nicht…

2 Kommentare zu diesem Artikel

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Name: LOGGEDin  |  Datum: 7. Februar 2009  |  Zeit: 16:22

Ich hab auch studiert – zum Glück war ich genau rechtzeitig vor Einführung der Studiengebühren fertig. Keine Ahnung, was für Studenten Du kennst – ich jedenfalls hatte während der Vorlesungszeit neben meinem Studium meist keine Zeit für einen Nebenjob. Bei über 40 Wochenstunden in der FH (zu ca. 80 % anwesenheitspflichtig, und wer die übrigen 20 % schwänzen wollte, hätte bei den meisten Prüfungen keine Chance gehabt) und entsprechend erforderlicher Vor- und Nachbereitungszeit (ja, so ist das, beim Studium geht man nicht nach Hause und hat Feierabend oder Wochenende!) hätte ich in den Sommersemestern keine Möglichkeit gehabt, nebenher noch Geld zu verdienen. Die 9 Wochen Semesterferien pro Jahr (bei weitem nicht so lang wie auf den Unis) wurden durch Klausurvorbereitungen und Pflichtpraktika, die offiziell auch unbezahlt sein sollten, vollständig belegt, bis auf die Ferien vor der Diplomarbeit, aber da hatten die Meisten auch andere Dinge zu erledigen als Burger zu braten oder ähnliches. Einzig in den Wintersemestern habe ich mir etwas dazuverdienen können, da hatten wir „nur“ ca. 30 Wochenstunden.

Dass Studenten mit Kosten argumentieren, die sowieso auf jeden zukommen, könnte daran liegen dass andere Leute mit ihrem Job Geld verdienen, das sie für diese Kosten einsetzen können. Ich habe aber noch von keiner Uni/FH gehört, die ihre Studenten für die geleisteten Stunden bezahlt.
Okay, Studenten bekommen ja Bafög. Richtig. Aber schau Dir mal die Sätze genau an. Ich habe ca. 350 € pro Monat bekommen (das war der Höchstsatz, selbst die Behörde hat also eingesehen, dass Papi mich nicht unterstütze konnte), also ungefähr das, was man heute auch als Hartz4-Empfänger erhält. Das Bafög ist aber nicht geschenkt, sondern die Hälfte davon ist 5 Jahre nach Ende der Förderung zurückzuzahlen (das kommt dieses Jahr auf mich zu). Miete und Heizkosten werden, anders als bei Hartz4, nicht zu 100 % anerkannt, sondern nur bezuschusst. Das hätte so ausgesehen, dass ich die ersten 130 € selbst von den 350 € hätte zahlen müssen, alles zwischen 130 und (ich glaub) 190 € wurde vom Bafög-Amt übernommen, und alles darüber hätte ich wieder selbst zahlen dürfen. Find mal was Warmes dafür, selbst in WGs oder zur Untermiete wird das schwierig. Ich hab daher weiterhin zu Hause gewohnt und mir eine Fahrgemeinschaft für die 70 km täglich gesucht. Dafür gab’s dann keinen Mietzuschuss, meine Eltern haben sich aber netterweise mit dem zufrieden gegeben, was mir am Monatsende jeweils übrig blieb, was trotz Nichtrauchens, keinem Handy und keinen Saufgelagen jedes Wochenende u.ä. nie wirklich viel war.

Alles in allem saß ich am Ende des Studiums mit über 8.000 € Schulden da (das ist allein der Bafög-Anteil der zurückgezahlt werden muss, ohne Berücksichtigung der Leihgaben von Oma und Patentante), war das erste Jahr arbeitslos (ich hatte einen 1,3er Abschluss, daran kann’s nicht liegen), und habe seitdem zwar zum Glück einen Job, der aber wegen der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre bei weitem nicht so gut bezahlt wird, wie einem bei den Berufs-Infocentern immer weisgemacht wurde („Studieren sie doch, da bekommen sie hinterher einen Job mit einem Anfangs-Jahresgehalt von 18.000 € netto – und das mit Sicherheit!“ – Ha, ha, ha.) Ganz abgesehen davon, dass unser Unternehmen im letzten Jahr ein ordentliches Minus eingefahren hat und, wenn nicht bald ein paar gute Aufträge kommen, schließen muss – aber das ist ein anderes Thema.
Mit 500 € Semestergebühren läge ich schon bei 12.000 € Schulden. Andere Studenten, die arbeiten gehen müssen weil sie höhere Ausgaben haben (oder sich doch mal ab und zu ein lustiges Wochenende mit Freunden oder ein anderes Hobby als schlafen (kostet nix) leisten wollen) und daher länger für’s Studium brauchen, hätten entsprechend noch mehr aufzubringen.

Der Vergleich mit den Piloten hinkt. Erstens dauert deren Ausbildung offenbar nicht so lange (nur 4 Semester = 2 Jahre?), sie fangen also früher damit an, Geld zu verdienen. Zweitens verdienen die nach der Ausbildung auch gut das doppelte von dem, was ein ehemaliger Student (z.B. ich) verdient. Die hohen Ausbildungskosten gleichen Piloten also locker wieder aus, selbst wenn man berücksichtigt, dass sie nicht bis ins hohe Alter arbeiten können/dürfen.

Das Argument mit den studentischen Langschläfern kann ich übrigens leider auch nicht bestätigen, um 7 bin ich immer zu Hause losgefahren. Meine Vorlesungen begannen um 7:45, Mittagspause war von 12:30 bis 14 Uhr, die letzten Kurse endeten um 17:30, danach gab es noch Tutorien (Nachhilfekurse) oder Lerngruppen mit anderen Studis.

Und die Autos – bei uns standen neben ein paar alten Klapperkisten (die schlimmsten gehörten den Professoren) viele gute bis fast neue Autos, gepflegte Schätzchen (VW Käfer) und erstaunlich viele teure Wagen, angefangen bei der Mercedes-Limousine und aufgehört beim BMW Z3, die zumindest von Studenten gefahren wurden. Ob die inklusive der Betriebskosten auf dem Papier Opa oder Papi gehörten kann ich nicht beurteilen. Ich selbst hatte einen 12 Jahre alten japanischen Kleinwagen, der zum Ende des Studiums schrottreif war. Viele andere Studenten hatten Fahrräder oder kamen gleich zu Fuß.

Und deinen Kommentar „geht einfach arbeiten“ finde ich schlicht unpassend. Zum Einen weil, wie ich oben schon ausführte, auch Studenten ein ordentliches Arbeitspensum bewältigen, zum Anderen weil der Kommentar auch schon als Du ihn gegeben hast, die aktuelle Lage nicht berücksichtigt. Hier in meiner Umgebung wurde zu diesem Zeitpunkt bekannt, dass zwei Betriebe schließen werden und 700 Leute zum Jahreswechsel bzw. zum kommenden April arbeitslos werden. Da gab es große Diskussionen, dass man das doch „gerade zu diesen schwierigen Zeiten“ nicht machen könne, weil doch sicher nur ein kleiner Teil eine neue Stelle finden werde. So „einfach“ wie du dir das mit dem arbeiten gehen vorstellst, ist es also sicher nicht.

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Name: LOGGEDin  |  Datum: 7. Februar 2009  |  Zeit: 16:30

Oh, den kleinen Satz unter Deinem Artikel habe ich gerade erst entdeckt. Sofern der Artikel ironisch gemeint gewesen sein sollte nehme ich meine Kritik daran gern zurück. Allerdings erlaube ich mir zu sagen, dass die Ironie nicht besonders deutlich rauskommt. Ehrlich gesagt bin ich immernoch der Meinung, dass Du das alles genau so meinst, wie’s da steht.

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