Wie ich zwei Nächte lang DJ-Software getestet habe

Update 07.12.2014: Inzwischen gibt es auch eine Testversion von MixVibes Cross, aber am Ergebnis des Tests hat sich nichts geändert. :-)

Wie Ihr sicher wisst, bin ich Freizeit-DJ. Weil mich aber keiner für Trance-Parties bucht, schicke ich seit vielen Jahren meine monatliche Radioshow „Ganorium Voyage“ in die Welt. In den letzten drei Jahren entstanden die Mixe mit Virtual DJ Pro Full und einer CTRL-ONE von Gemini.

Ich weiß nicht warum, aber mit dieser Konstellation war ich jetzt irgendwie nicht mehr so glücklich, also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut: Sowohl bei Hard- als auch bei Software. Und da gibt es haufenweise Anbieter in verschiedenen Preiskategorien.

 

Test Teil 1: Die Hardware

Bei der Hardware hatte ich mich recht schnell eingeschossen: Die DJ Control AIR+ von Hercules hat es mir auf Anhieb angetan. Nicht zuletzt, weil ich ja so auf blaue LEDs stehe und bis auf die vier Beatmarker leuchtet an dem Teil auch wirklich alles in blau. :-)

Am Donnerstag kam der Controller und ich konnte erste Tests durchführen: Ich war schon hin und weg, als ich die Startsequenz direkt nach dem Einstecken des USB-Steckers sah. Ich habe das mal schnell mit dem Handy aufgenommen und bei Facebook gepostet.

 

Auch zur Funktion muss ich nicht groß viel erzählen: Tasten haben den richtigen Druckpunkt – je nachdem, ob man damit Funktionen umschaltet (mehr Druck notwendig, um nicht aus Versehen ran zu kommen) oder ob die Taste sofort reagieren muss. Auch Regler fassen sich gut an.

Lediglich bei den Pitch-Schiebern hatte ich meine Probleme, weil die anfangs etwas zäh reagieren, dann aber auch gern mal übers Ziel hinaus gehen. Aber das ist nur eine Sache der Gewöhnung. Ansonsten bin ich mit dem Teil überaus zufrieden.

Und es leuchtet alles so schön blau. :-)

 

Test Teil 2: Die Software

Ich habe eine Menge DJ-Software getestet und bin dann doch bei Virtual DJ geblieben. Das Time-Stretching klingt zwar grauenhaft, aber das ist eine Funktion, die ich eh nie nutze. Das kann man vernachlässigen. Viel wichtiger waren mir andere Kriterien.

Was den Ausschlag gegeben hat, doch dabei zu bleiben: Die Unterstützung für den Controller ist einfach am besten: Er wird schon von Haus aus erkannt und eingebunden. Außerdem kann man jede Funktion mit VDJScript simpel verändern. So einfach hat das keiner der Mitbewerber.

 

Manchen Programmen konnte ich nicht mal die Grundfunktionen per „Learn“-Button beibringen, darum waren die recht schnell aus dem Rennen. Andere haben den Controller unterstützt, aber gewisse Funktionen, die ich gern anders haben wollte, hätte ich nicht verändern können.

Da ich mit einer externen Soundkarte arbeite, die die Musik aus den zwei Decks direkt an ein Mischpult sendet, möchte ich nicht, dass die Fader oder EQ-Regler am Controller die in der Software steuern. In VirtualDJ entferne ich einfach die Funktion (oder belege sie um).

Wieder andere Programme haben mir optisch oder von der Benutzung nicht gefallen: Wenn man z.B. den Ordner, in dem ich meine Musik ablege, nicht als Standard festlegen kann und ich dann bei jedem Programmstart erst ewig navigieren muss, ist das einfach mal Scheiße.

 

Was wurde alles getestet?

Der Vollständigkeit halber mal die Liste der von mir getesteten PC-Programme mit Preisen für die Vollversion in der Edition, die Controller und Timecode-Vinyls unterstützt:

DJuced 40° (Freeware, war im Lieferumfang, ohne Timecode-Funktion)
Virtual DJ Pro Full 7 (239,99 EUR)
Deckadance 2 (108,78 EUR)
DEX 2 (179,- EUR) alias FutureDecks DJ Pro 3 (62,99 EUR)
Traktor Pro 2 (99,- EUR, Timecode-Funktion ab 99,- EUR extra)
Mixxx (Freeware)
UltraMixer 4 Pro (199,95 EUR, keine Timecode-Funktion)
Serato DJ (129,- USD)
MixVibes Cross 3 (129,- EUR)
One DJ (61,99 EUR, keine Timecode-Funktion)

 

Das Fazit: Warum weiterhin Virtual DJ?

Mir hat MixVibes Cross 3 optisch und von der Funktion her eigentlich am besten gefallen, hier gab es aber nur die Gratis-Edition Cross DJ Free zum Testen. Damit kann man keine Controller nutzen und ich gebe sicher keine 129,- EUR aus, um dann zu merken, dass es nicht geht.

Virtual DJ hat bei vielen den Ruf, nur ein Spielzeug zu sein und keine ernstzunehmende Lösung für DJs. Warum soll ich denn aber ein dreijähriges Maschinenbau-Studium absolvieren, um einem Programm beizubringen, einen simplen Pitch-Regler zu erkennen?

 

Es ist vielleicht optisch nicht mehr ganz auf Höhe der Zeit, aber das Standard-Skin erschlägt einen nicht mit Dingen, die man nie benutzt. Ich hatte oft das Gefühl, beim Interface wollen die Hersteller so richtig auf die Kacke hauen und auf einem Screen zeigen, was sie gebastelt haben.

Darum habe ich mich für die einfachste Lösung, die für mich am besten funktioniert, entschieden und bin treu geblieben. Aber ich finde, es hat gut getan, mal wieder den Markt abzugrasen, denn da hat sich ja – gerade was Freeware angeht – einiges getan.

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