Wir sind alle nur verlogene Heuchler

Wir schauen es doch alle gern: Die Pannen-Homevideos, in denen Kinder einschlafen und mit dem Gesicht in ihr Essen plumpsen. Wo Frauen beim Tanzen vom Tisch fallen. Wo Männer neben das Trampolin springen. Wo Models vom Laufsteg stolpern.

Man lacht drüber. Blende. Nächstes Video: Hund reißt mit der Leine ein Kind um. Hahaha!

Und dann gibt es noch die Videos, die man eher im Internet findet: Wo Leute über Pfeiler springen und mit dem Genital hängen bleiben. Wo Skateboarder die Halfpipe verfehlen. Wo Biker beim Sprung über Treppen hinknallen. Wo Skater beim Treppengeländer-Slide runterfallen.

Man lacht drüber und hinterlässt einen Kommentar: „Selbst schuld, warum macht der auch so’n Scheiß?“. Seid ehrlich: Das denkt Ihr doch, wenn Ihr so ein Video seht. Richtig?

Und dann gibt es noch Samuel Koch, der in der Sendung „Wetten, dass…?“ mit sogenannten FlyJumpern an den Füßen per Salto über fahrende Autos springen will. Die haben übrigens schon bei normaler Anwendung für Millionen Bänder- und Knochenverletzung gesorgt.

Ganz ungefährlich sind die also nicht und jeder sollte wissen, worauf er sich einlässt, wenn er sie benutzt. Nun hat sich Samuel Koch vor Millionen Augen in der Live-Sendung voll auf die Fresse gepackt und derzeit liegt er verletzt im künstlichen Koma.

Man lacht drüb … halt, Moment! Warum lacht hier keiner? Er ist doch selbst schuld, warum macht der auch so’n Scheiß? Stattdessen wird die Sendung abgebrochen. Justin Bieber betet für ihn. Robbie Williams erkundigt sich nach dem Zustand.

Weil’s im Fernsehen passiert, ist eine riesige Welle der Anteilnahme und Betroffenheit überall. Doch was ist mit den Typen aus den Internet-Videos? Sobald wir das nächste Hinfall-Video anschauen, ist uns ihre Gesundheit wieder völlig schnurz.

Merkt Ihr, was für ein verlogenes Heuchler-Pack wir doch alle sind?

Jährlich erleiden mehrere hundert Menschen in Deutschland schwere bleibende Schäden wegen betrunkener Autofahrer. Die wollten keine Wette gewinnen. Die wollten vielleicht nur nach Hause gehen und wurden umgefahren. Aber für die interessiert sich keiner.

Ein Kommentar zu diesem Artikel

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Name: caschy  |  Datum: 5. Dezember 2010  |  Zeit: 17:09

So sind wir Menschen.

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